Frank Zander und sein neues Album „Immer noch der Alte“

Frank Zander „Immer noch der Alte“. Das neue Album.

„Immer noch der Alte“, dass es anders sein könnte, das hat eigentlich niemand in Frage gestellt. Aber Frank Zander wollte das offensichtlich noch einmal deutlich machen. Außerdem ist der Titel so schön griffig. Nein, verändern will sich Zander nicht, „warum auch?“, fragt er. Schließlich mache ihm die Musik, der „Rock`N`Roll“ und der „Blues“ immer noch wahnsinnig viel Spaß. Und sein schwarzer Humor, der gehört natürlich genauso dazu.“So bin ich und so bleibe ich auch“, sagt Zander und denkt deshalb auch nicht über das Aufhören nach (im Februar wird er 74). Oder wenn doch, dann kommt er zu dem Schluss: „Wer aufhört, der wird alt und alt fühlt sich manchmal nur mein Körper an“, geistig fühle er sich wie 49, sagt er schmunzelnd. Aber, er macht sich natürlich seine Gedanken und das ist dem Alter geschuldet. „In meinem Alter darf man sich Gedanken machen“, so Zander.

Entschleunigung

Im Moment beschäftigt ihn das Thema Entschleunigen. Vieles geht so wahnsinnig schnell und dabei bleibt das Menschliche so oft auf der Strecke. Das habe er kürzlich beim Stromausfall im eigenen Haus erlebt. „Plötzlich lernte ich all die Nachbarn kennen, als wir alle mit Kerzen in der Hand Richtung Sicherungskasten im Keller eilten. Die Nachbarn aus dem Dritten Stock und die aus dem Ersten und auch den Hund“, erzählt er lachend. Entschleunigen – sich einmal Zeit für das Wichtige nehmen. Darum erscheint sein neues Album „Immer noch der Alte“ auch als klassische Vinyl-LP. „Da kannste nicht vorskippen, sondern da wartest du bist sich der Tonarm auf die Platte gesenkt hat. Und plötzlich stellst du fest, dass sich auch die alten Boxen wieder richtig gut anhören, der warme Sound, das leichte Knistern“, da gerät Zander regelrecht ins Schwärmen. Ja, die Vinyl-LP, die war ihm wichtig, auch wenn sein Sohn Marcus der Sache etwas skeptisch gegenübersteht.

Voll aus dem Leben

„Immer noch der Alte“ ist ein Album voll aus dem Leben. Zander greift die Themen auf, die ihm wichtig sind. Besonders stolz ist er auf „Nichts ist mehr so wie es war“, eine traurig-besinnliche Hymne über den Absturz. „Der schnell kommen kann“, sagt Zander, erst kürzlich habe ihm ein alter Freund geschrieben, dass ihm der Boden unter den Füßen wegbreche. Krankheit, Job weg,  Familie weg, Freunde weg. Im aktuellen Video zu dem Titel sind die Menschen zu sehen, die im Schatten leben. Für die Armut und Absturz keine abstrakten Begriffe sind. Für sie richtet Zander seit mittlerweile 21 Jahren sein traditionelles Weihnachtsfest aus.

Und dann ist da noch der Juror. Eine düstere Nummer in der viel Wahrheit steckt und in in der Zanders schwarzer Humor zum Tragen kommt.  Es geht um all die Hoffnungen, die in den Castingshows mit dem Druck auf den Buzzer zunichte gemacht werden. Auch das hat ja irgendwie mit Entschleunigung zu tun.

Zander der Allseits Beliebte

Frank Zander hat etwas, das nur wenige haben. Er ist ungemein natürlich – einfach echt. Vielleicht liegt das auch daran, dass er im Grunde ein „Strassenköter“ ist, als den er sich selbst bezeichnet. Zu Einladungen in berliner Kneipen kann er nur selten „nein“ sagen. Da ist er dann kein Star von der Bühne, sondern einfach nur der „Zander“, wie ihn alle liebevoll nennen. Zander, der ein Guter ist. Manchmal verzichten die Taxifahrer sogar auf das Fahrgeld, erzählt er „und Omas stecken mir 20 Euro zu. Für die armen Menschen, um die du dich so sorgst“. Als Zander eine neue Hüfte brauchte, bekam er mehr als 5000 Briefe mit den besten Wünschen zur baldigen Genesung.

 

Ob er manchmal auch Menschen trifft, die ihn nicht sympathisch finden? „Klar“, sagt er, „kommt vor“. Neulich habe ihn ein junges Mädchen um ein Autogramm gebeten und ihr Vater habe ungemein herablassend gefragt, „ob man sie kennen müsse?“. Als der Herr dann, nachdem ihm Zander seinen Namen genannt hatte, noch meinte, „auch ja, der Blödelbarde“, da habe er sich schon aufgeregt, sagt Zander. Aber das sind die Ausnahmen, die er schnell vergisst, wenn  er auf seine facebook-seite mit den 75000 likes guckt. Die sind alle echt, das mache ihn mächtig stolz.

Frank Zander war am 1. Dezember 2015 im Studio von Antenne Brandenburg (RBB). Dort ist auch das Videointerview entstanden.

 

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