Ulla Meineke Band im Interview

Ulla Meinecke: „Ich habe immer schon komische Album-Titel gehabt“.

Über den neuesten Titel müssen Ulla Meinecke und Ingo York selbst schmunzeln: „Wir warn mit Dir bei Rigoletto, Boss!“ Der Titel ist ein bekanntes Zitat aus der Hollywood-Komödie „Manche mögens heiß“ mit Marilyn Monroe. Ziemlich beschränkte Gangster sagen diesen Satz, den ihnen ihr Boss vorher als Alibi eingebläut hat, bei einer völlig unpassenden Gelegenheit. Mit einer normalen Plattenfirma wäre so ein Titel gar nicht zu machen, sagt Ulla Meinecke im Videointerview. Aber auf so ein Plattenfirma hat Ulla Meinecke sowieso keine Lust mehr. Zu viele Verpflichtungen und Zugeständnisse, nein – lieber nicht.

Wie eine immerwährende Klassenfahrt

So sei der Albumtitel der angenehmen Verblödung auf Tour geschuldet, sagt Meinecke. Wenn man stundenlang über die Autobahn fährt und immer so dicht aufeinander hängt, dann stelle sich so etwas von ganz alleine ein. Bei 100 Konzerten pro Jahr, dazu die Reisetage, da kommt einiges an gemeinsamer Zeit zusammen. Im Auto werde viel gelacht. „Als ich jung war habe ich auch nicht gedacht, dass Leute über 50 oder 60 sich mit zusammengerollten Zeitungen über die Rübe hauen im Auto“, lacht sie. „Ich dachte irgendwann ist man ja reif und seriös. Das ist nicht eingetreten“. Und Ingo York ergänzt: „Da ist ein bisschen infantile Kreativität mit drin.“ Worauf Ulla Meinecke hinzufügt: „Außenstehende würden unter Umständen denken, wir müssten mal zum Arzt.“ Dann lachen beide.

Keine Lust auf Studio

„Wir warn mit Dir bei Rigoletto, Boss!, ist ein Doppel-Live-Album. Aufgenommen bei zwei Gigs in Lübeck und Hamburg. Das besondere an dem Album: Es enthält insgesamt 6 Titel, die bisher auf keinem Ulla Meinecke Album erscheinen sind. Das es ein Livealbum geworden ist, liegt auch am relativen Unwillen von Ulla Meinecke, Ingo York und dem Dritten im Bunde, Reinmar Henschke, sich für neue Songs ins Studio zu begeben. „Außerdem wollten wir, dass die Leute wirklich das von uns bekommen, was wir live spielen“, sagt York. „Keine aufgemotze Studioproduktion, sondern uns, so wie wir live auf der Bühne zu erleben sind.“

Fast 40 Jahre auf der Bühne

Ja, sie könne es wirklich selbst kaum glauben, dass sich ihre erste Albumveröffentlichung im nächsten Jahr zum 40zigsten Mal jährt, sagt Ulla Meinecke. Aber sie mache es sich einfach, weil sie prinzipiell keine Jubiläen feiert. „Ich bin nicht so ein Vergangenheitsmensch“, sagt sie. „Ich denke vielmehr an das, was ich noch machen oder ausprobieren will.“ Das sie so lange schon dabei ist, bringe übrigens auch eine unglaubliche Freiheit mit sich.

Mein Leben ist zu kurz für facebook und Co

Ab einem gewissen Alter musst du unbedingt das machen, was dir Spaß macht, sagt Ingo York. Ulla ergänzt, dass sie bestimmte Sachen einfach auch nicht mehr erträgt. Das sei wie eine Allergie. Wo sie vor zehn Jahren zähneknirschend ja gesagt hätte, sagt sie heute: „Nee, mache ich nicht“. Überhaupt habe sich so einiges verändert. Die digitale Welt, der digitale Mensch. Selfie zum Frühstück, das wäre ihr alles viel zu anstrengend. Dann denkt sie laut über den Selbstdarstellungsdrang so vieler Menschen in der heutigen Zeit nach und kommt zu dem Schluss: „Mein Leben ist mir viel zu kurz für soziale Netzwerke“. Während sie das sagt, zückt Ingo York sein Handy und macht ein selfie mit ihr. Ulla Meinecke ist kurz irritiert, lächelt profimäßig ins Handy und nach einem kurzen Augenblick müssen beide herzhaft lachen. Ich muss an die zusammengerollten Zeitungen denken.

 

Ulla Meinecke und Ingo York waren am 15.02.2016 zu Gast bei Antenne Brandenburg. Hier ist auch mein Videointerview entstanden.

 

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